Meine Familie rückt zusammen – nicht nur im übertragenen Sinne: Ich zieh’ um.
Vorab: Entschuldigung, dass mein Blog seit letzter Zeit so ziemlich hinterher hängt. Da ist auch leider das Umzugschaos nicht wirklich hilfreich, immerhin habe ich mich gerade dazu entschlossen wieder etwas zu schreiben anstatt für Psychologie zu lernen. Während meiner erschreckend schrecklichen Berichterstattung ist so einiges passiert – das erste Schulviertel ist um, ich hab ein paar neue Klassen und vor allem: Unser Haus wurde von der Stadt aufgekauft, ich ziehe mit meinen Gasteltern ein Paar Blöcke weiter.
Moorhead und Fargo (wobei ich hier noch gerne einmal betonen möchte, dass Fargo die größte Stadt in North Dakota ist – und ja, es sind nur 2 Meilen von meinem Haus) kämpfen seit Jahrzehnten mit Überflutungen und Deichsicherung, seit 1997 werden alle paar Jahre die Rekorde gebrochen. Das leider zum Übel der Menschen, die in diesem Gebiet leben. Im Jahr 2009 ereignete sich die bisher schlimmste Katastrophe – ein Pegel von ca. 12m (im besten Falle hat der Red River höchstens 3-4m Tiefe). Daher kauft die Stadt systematisch Häuser und Grundstücke auf, um einen Deich bauen zu können. Letztendlich war das auch bei uns der Fall, was der Grund ist, warum wir in ein etwas kleineres Haus ziehen.

Flut von 2009 - ziemlich eindrucksvoll, wenn man sich erstmal bewusst macht, dass die Veterans Memorial Bridge normalerweise ca. 5 Meter aus dem Wasser ragt.
Das Problem wäre nicht so dermaßen groß, wenn die Region nicht so flach wäre. Tatsächlich gibt es hier nämlich so gut wie keine Erhebungen und wenn der Fluss erstmal einen gewissen Stand erreicht hat und über die Ufer tritt, dann stehen wirklich ganze Quadratkilometer unter Wasser. Viele Schüler und Studenten werden in solchen Situationen regelrecht in Busscharen angeliefert und angeheuert, Sandsäcke zu schaufeln und dem Wasser immerhin etwas Einhalt zu gebieten. Wer weiß, vielleicht finde ich mich in den nächsten Monaten auch im metertiefen Schnee-Lehm-Schlamm, hechelnd vom Schippen vor. We’ll see, wie die englischsprachige Seite in mir jetzt sagen würde. Nun heißt es erstmal Kisten packen und hoffentlich noch vor Weihnachten im neuen Haus sein. Das Jahr hält doch mehr in Sachen Spannung parat als es ursprünglich versprochen hat.
Ansonsten? Ich bin Dir, verehrter Leser, noch ein Video schuldig – wie ich vor der ganzen Schule auf der Bühne stehe, in lächerlich großer Hip-Hop Montage tanze und performe. Ja, ich weiß. Gleich in den ersten Monaten erstmal die Peinlichkeits-Schallmauer durchbrechen, dann kann es danach nur noch bergauf gehen. Tatsächlich war die Angelegenheit gar nicht mal so schlimm, mir wurde noch Tage später auf die Schulter geklopft, “You’re the German kid, right? I saw you at the lipsyncs – great job!”.
Mission accomplished, Bekanntheitsgrad erreicht.
Heute ist übrigens auch mein 3 monatiges Jubiläum, zur Feier des Tages durfte ich heute kochen. Und ich bin ehrlich gesagt ziemlich stolz, es gab selbgstgemachte Spätzle, Lachs-Sahne-Gratin (natürlich gibt es hier nicht die Fertigmischung, also mehr Arbeit für mich) und noch Salat. CIEE, meine Organisation in den US, hat uns alle aufgerufen an einem Wettbewerb teilzunehmen und unsere Kultur durch ein “leckeres, gemeinsames Essen zu verbreiten”. Am Ende war ich aber doch zu faul um noch die Kamera zu holen und ein paar Bilder zu schießen, also doch keinen $200 Amazon Gutschein für mich. Nächste Woche ist die sogenannte International Education Week, ein Anlass für Austauschschüler, Präsentationen zu halten – natürlich lasse ich mir so einen Spaß auch nicht entgehen. Daher sollte ich inden nächsten Tagen nochmals die Hufe schwingen und meiner Präsentation den letzten Schliff verpassen.
Ich berichte, versprochen!
One Comment
Hallo Nik,
Danke für dein posting.
Also, ich fände es ganz furchtbar, wenn ich aus meinem Haus raus müsste. Sind deine Gasteltern nicht traurig? Zumal das Haus auch noch kleiner ist. Mussten sie ein neues kaufen? Oder wie ist das dort geregelt?
Ich freue mich auf dein Video!
Dass du kochen kannst, kann ich mir gut vorstellen. Es hat deinen Gasteltern bestimmt gut geschmeckt. Spätzle haben sie bestimmt noch nie gegessen. Ich als “Schwäbin” bin richtig stolz, dass du Spätzle zubereitet hast und noch ein Tipp von meiner Mutter: immer 3 – 4 Esslöffel Grieß mit in den Teig geben, dann werden sie kerniger.
Wir freuen uns, wenn du wieder postest!
One Trackback
[...] ich schon vor ein paar Wochen erwähnt hatte, ziehen wir um. Und das passiert diese Woche, von Mittwoch bis Freitag! Zugegeben, [...]